Wie man einen Habicht los wird

Update 24.04.2017: Unbemerkt von mir wurde zwei Tage nach Veröffentlichung dieses Artikels über das Transparenzportal das Gutachten zu artenschutzfachlichen Prüfung des Bauvorhabens im Gleisdreieck veröffentlicht. Darin wird – nicht nur für den Habicht – auf die notwendige Ausnahmegenehmigung hingewiesen: 

„Für den auf der Roten Liste Hamburgs als gefährdet geführten Waldlaubsänger und die in Hamburg lückig verbreiteten Arten Habicht, Gartengrasmücke, Kernbeißer, Kleiber, Sumpf- und Tannenmeise lässt sich die ökologische Funktion der Fortpflanzungs- und Ruhestätten im räumlichen Zusammenhang nicht erhalten. Daher ist für diese Arten eine Ausnahme von den artenschutzrechtlichen Verboten gemäß § 45 Abs. 8 BNatSchG erforderlich.

Heute habe ich diese Ausnahmegenehmigung über das Transparenzportal angefordert. Ich bin sehr gespannt, wie die Begründung ausfällt, und ob alle eventuellen Auflagen erfüllt wurden. Der Bebauungsplan selbst soll wegen notwendiger Nachbesserungen aktuell neu ausgelegt werden. Die erneute Auslegung erfolgt verkürzt und beschränkt auf die nachgebesserte schalltechnische Untersuchung:

Planauslegung Alsterdorf 22 / Winterhude 22

Die öffentliche Auslegung des B-Planentwurfs Alsterdorf 22/ Winterhude 22 mit Umweltakte erfolgt im Stadt- und Landschaftsplanungsamt des Bezirksamts Hamburg-Nord, Kümmellstraße 6, im 6.Obergeschoß vom 29. März 2017 bis 12. April 2017.

Zusätzlich können die Unterlagen im Internet unter folgendem Link eingesehen werden:

http://www.hamburg.de/hamburg-nord/bauleitplanung/4620432/alsterdorf-22-winterhude-22/

Daneben gibt es noch die Möglichkeit den Bebauungsplan-Entwurf auch im Internet unter Verwendung des kostenlosen Online-Dienstes „Bauleitplanung“ auf den Seiten des „Hamburg-Service“ einzusehen. Zudem besteht hier die Möglichkeit, direkt Stellungnahmen online abzugeben. Vor der Nutzung ist eine kostenlose Registrierung erforderlich. Alle Online-Dienste des Hamburg-Service sind unter folgender Adresse aufrufbar: www.gateway.hamburg.de


Wie man einen Habicht los wird

Es war einmal ein Habicht, der wohnte im Alsterdorfer Gleisdreick und hatte es bereits zu bürokratischem Ruhm gebracht. Als der Plan für den Bau des Pergolenviertel reifte, gab es auch eine artenschutzfachliche Prüfung. Darin wird sehr viel zum dort beobachteten Habicht geschrieben. Da ein Horst aber – einmal durchatmen – nur im benachbarten Gleisdreieck entdeckt wurde, wurde er als „Nahrungsgast“ eingestuft.

„Für den Habicht gehen durch die Planung großflächig horstnahe Nahrungsflächen verloren. Der Brutplatz der Art im Gleisdreieck ist durch die dortige Planung, (sic!) nicht jedoch durch das vorliegende Planverfahren betroffen.“

Na, Gott sei dank! Das Pergolenviertel kann gebaut werden. Und der Habicht lebte glücklich… nein, die Geschichte ist noch nicht zu Ende.

Februar 2017: Flüchtiger Blick aus der U1 auf die Bauarbeiten im Gleisdreieck. Vor einem Jahr war dies ein Wald. Dort, wo der rote Bagger steht, wäre eine kürzere Trassierung für die U5 Richtung Sengelmannstraße möglich gewesen. Leider wurde völlig aneinander vorbei geplant. Nun muss die U5 einen Umweg unter den weißen Häusern im Rübenkamp hindurch (im Bildhintergrund gut zu erkennen) über das nördliche Gleisdreieck nehmen. Die Hochbahn ist nicht zu einer Stellungnahme bereit. Der Habicht, der hier lebte, kann nicht mehr gefragt werden.

Vor fast genau einem Jahr wurde in einer Hauruck-Aktion die Heimat des Habichts vernichtet: Fast das gesamte Gleisdreick in Alsterdorf mit vielen tausend Bäumen wurde innerhalb weniger Tage gerodet. Berechtigte Warnungen wurden ignoriert, was zu Gefährdung des Schienenverkehrs und in Folge zur Fällung weiterer 476 Bäume führte. Laut Gutachten war die Waldfläche als „besonders wertvoll“ eingestuft. Zum Habicht findet sich dort jedoch nur ein einziger Satz: „Ein Habicht-Horst und einige ausgeflogene Jungvögel wurden 2005 gefunden”. Vielleicht war er gerade auf der Jagd?

Wir können nur vermuten, dass einfach angenommen wurde, dass die Rodungsarbeiten im Pergolenviertel bereits das dortige Jagdrevier des Habichts zerstört hatten. Und der Habicht wahrscheinlich geflüchtet war. „Perfekte Planung“.

Jedenfalls gab es keine – eigentlich erforderliche – einzelfallbezogene Artenschutzprüfung (ASP) für den Habicht. Denn der war gerade nicht zu Hause.

Da waren die Behörden glücklich und feierten und tanzten noch eine ganze Woche. Und sie sangen:

Habicht, lieber Habicht klein.
Hamburg ist eine wachsende Stadt, seh das doch ein.
Und du bist nur ein kleiner Habicht,
und kein Schierlings-Wasserfenchel nicht.