Bürgerdialog

Am 19.09.2016 war der Bürgerdialog der Hochbahn im Margaretha-Rothe-Gymnasium – und die Aula war voll!

Damit hatten die Verantwortlichen der Hochbahn sichtlich nicht gerechnet. Auf dieser Infoveranstaltung wurde sehr deutlich gemacht, dass der Bau einer Station im Hartzloh extrem schwierig und aufwendig wird. Oberirdisch muss dazu die gesamte Fläche zwischen den Häusern – also alle Bäume, Straße und Bürgersteige für die Baugrube entfernt werden. Da dieser Platz aber immer noch nicht ausreicht, müssen auch die angrenzenden privaten Vorgärten, Eingänge und Einfahrten enteignet (!) werden. Die Bauphase selbst wird mit etwa 4 Jahren veranschlagt!

Weitere Planungsdetails konnte die Hochbahn noch nicht nennen, da sie selbst noch nicht wissen, wie das gehen soll. Trotz gegenteiliger Beteuerungen auf der Infoveranstaltung lassen von der Hochbahn gemachte Äußerungen leider nur den Schluss zu, dass trotz aller Einwände und Bedenken der Anwohner die Station Hartzloh nun final geplant wird!

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So sieht die von der Hochbahn in Planung befindliche Lage der U-Bahn-Station Hartzloh aus. Jeder cm wurde genutzt, von Hauswand zu Hauswand reicht die Baugrube. Da passt keine HVV-Karte mehr dazwischen…

 

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Verworfene Alternative 1 der Hochbahn: Westlicher Hartzloh (Wochenmarktfläche). Ablehnungsgründe: „zu nah an der S-Bahn Alte Wöhr“ und „eventuell ist ganz vielleicht von dort aus die Kurve zum Rübenkamp zu eng“ – aber das weiß die Hochbahn nicht genau. Ob bei dieser Variante wohl ein paar der Bäume stehenbleiben? Wenn überhaupt eine Station an dieser Stelle geplant würde, dann sollte geschaut werden, ob dort auf dem Spielplatz genug Platz wäre – um die Bäume ringsum zu erhalten. Der Spielplatz könnte hinterher von der Hochbahn schöner als heute wieder hergestellt werden… (Wir haben auch Kinder, aber Bäume wachsen sehr langsam.)

 

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Verworfene Variante 2 der Hochbahn: Der Grünzug zwischen St. Gabriel und dem Bürgerhaus. Hierzu hat die Hochbahn nichts weiter gesagt. Offensichtlich erkennt jeder Laie sofort, dass genau gar nichts für diese Standort-Idee spricht…

 

Die Hochbahn selbst hat auf der Veranstaltung zwei Alternativ-Standorte für eine Station in Barmbek-Nord vorgestellt: Einmal im westlichen Hartzloh (Wochenmarktfläche) und einmal im Grünzug zwischen Kirche und Bürgerhaus. Beide Alternativen waren nicht im Ansatz ausgearbeitet und wurden ohne begründete Erklärung als „wahrscheinlich“ ungeeignet abgehandelt. Im Gegenzug haben wir der Hochbahn an diesem Abend eine Karte mit 6 Standortalternativen übergeben, die alle wesentlich „größere bauliche Freiheiten“ ermöglichen. Zum Teil ist zwar alter Baumbestand gefährdet (das können die Planer der Hochbahn sicher besser beurteilen), aber alle von uns genannten Alternativen bieten nach unserer Ansicht einen wesentlich besseren Schutz von Mensch und Natur in der Bauphase. Außerdem haben wir ein besonderes Augenmerk auf die Netzwirkung und/oder Neuerschließung bei unseren Vorschlägen geachtet. Einige unserer Vorschläge (die an diesem Abend nicht diskutiert wurden) fanden spontan Zustimmung der anwesenden Anwohner.

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DIese 6 alternativen Vorschläge haben wir der Hochbahn am 19.09.2016 zur Prüfung übergeben. Bislang haben wir positive Rückmeldungen von Anwohnern zu den Vorschlägen Langenfort (1) und Steilshooper Straße (4) erhalten. Auf eine Rückmeldung seitens der Hochbahn warten wir noch. Durch einen klick auf die Karte können Sie ein PDF unserer Vorschläge herunterladen.

 

Es wurde zwar seitens der Hochbahn versprochen, alle Vorschläge zu „prüfen“: Aber ab dem 6. Oktober 2016 wird mit den Probebohrungen und Vermessungsarbeiten ausschließlich für die hier geplante Station begonnen und als nächster Schritt den Anwohnern spätestens im 1. Quartal 2017 die finale Entscheidung der Hochbahn zum Bau dieser Station mitgeteilt! Die sogenannten Vorentwurfs- Entwurfs- und Genehmigungsplanungen laufen nämlich bereits seit Mitte 2016.

Also noch einmal zum Verständnis: Es wurde bisher nur ein Standort hier im Hartzloh untersucht. Es wird von der Hochbahn am 19.09.2016 die Aussage getroffen, dass alles noch völlig offen sei und erst jetzt mit den eigentlichen Planungen begonnen wird. Aber in allerspätestens 6 Monaten soll die finale Planung des Standortes fertig sein? Ohne zwischenzeitlichen Bürgerdialog? Mit dem Wissen, dass alle Alternativ-Vorschläge der Anwohner (die eigentlich von der Hochbahn hätten kommen müssen!) wohlwollend geprüft – aber abgelehnt werden. Unser Widerstand ist demnach auch erst ganz am Anfang! 

Warum gibt es den Bürgerdialog überhaupt? Der „Bürgerdialog“ der Hochbahn soll die vom Senat geforderte und von der Bezirksversammlung einstimmig beschlossene Form der Bürgerbeteiligung umzusetzen!

„Die Beteiligung der Öffentlichkeit soll dabei so rechtzeitig erfolgen, dass die sich aus ihr ergebenden Anregungen in den formalen Planungsprozess vor dessen offiziellem Start einfließen können.“ (Punkt 3, Drucksache 21/1736)

Aus Kreisen des Stadteilrates hörte man allerdings, dass die hier geplante Station intern schon längst beschlossene Sache sei! Ist das so? Unser Eindruck nach dem Bürgerdialog: Eindeutig ja! Wenn wir uns nicht schon seit Anfang des Jahres selber informiert hätten, hätten wir als direkte Anwohner noch nicht einmal von der Infoveranstaltung gewusst! Das Wochenblatt landet nicht in jedem Briefkasten, die Einladungskarte der Hochbahn zu dieser Veranstaltung haben wir nicht erhalten. Im Umkreis um den Hartzloh konnte ich – nachdem ich von der Existenz erfuhr – tatsächlich 8 kleine Plakate an Schaufenstern entdecken. So will die Hochbahn also die Bürger mobilisieren und einbeziehen?

Unsere Bürgerschaft zum Thema U5:

„Bereits mit Beginn der Machbarkeitsuntersuchungen … [ gilt es, ] alle betroffenen Gruppen zu identifizieren und in einen konstruktiven Beteiligungsprozess einzubeziehen. Dazu zählen … insbesondere die Anwohnerinnen und Anwohner …“.

Wir warten nun schon fast ein Jahr auf den Beginn eines Beteiligungsprozesses sowie auf die versprochenen „frühzeitigen, transparenten, umfassenden und niedrigschwelligen Informationen“.

(Die Machbarkeitsuntersuchung zur U5 ist übrigens seit Ende 2015 fertig. Bis zum 12.09.2016 wurde sie von der Hochbahn überarbeitet, um sie „in eine für den Normalbürger verständliche Form zu bringen“. Wir haben den aktuellen Stand der Machbarkeitsuntersuchung mehrfach bei der Hochbahn angefordert, wurden aber immer nur auf die irgendwann einmal stattfindende Veröffentlichung im Transparenzportal Hamburg verwiesen.)

Wir sind bereit zum Dialog. Aber wir sind vor allem bereit unseren Stadtteil, unsere Kinder, und auch unser Eigentum zu schützen!

 

Die Hochbahn setzt mit der Bürgerbeteiligung eine Senats-Richtlinie um. Das ist eine große Chance! Beteiligen Sie sich! Sagen Sie der Hochbahn Ihre Meinung!

Ihr Ansprechpartner bei der Hochbahn ist Herr Martin Boneß.
Telefon 040 / 32 88-55 41, E-Mail: martin.boness @ hochbahn.de

Alle aufgeführten Informationen sind entweder öffentlich zugänglich und/oder stellen unsere persönliche Sichtweise dar. Wir stehen im schriftlichen Dialog mit der Hochbahn, konnten aber bislang zu vielen angebrachten Punkten keine konkrete Antwort oder weiterführende Informationen erhalten. Bei ihrer Infoveranstaltung am 19.09.2016 konnte die Hochbahn die etwa 200 anwesenden Anwohner nicht überzeugen – es gab eine breite, empörte Ablehnung!
Claudia und Robert Lindenau