Thema: Wagenbreite – Die verwirrende Informationspolitik der Hochbahn

Update 10.01.2017: Das war eine schwere Geburt: 8 Monate brauchte die Hochbahn, um sich dazu durchzuringen, die Öffentlichkeit über die Entscheidung der Wagenbreite zu informieren. Gestern berichtete nahverkehrhamburg.de darüber, die Mopo hat heute nachgezogen. Im Dunkeln bleibt weiterhin, warum dieses Verwirrspiel nicht schon im Oktober 2016 beendet wurde – wenigstens bestätigte Herr Kreienbaum endlich, dass die Entscheidungsfindung bereits lange vor dem Abendblatt-Artikel und seinem Interview mit der Elbvertiefung (siehe unten) abgeschlossen war. Vielleicht hat ja dieser Artikel dabei geholfen, die Öffentlichkeitsarbeit der Hochbahn zu „verbessern“. Um verlorenes Vertrauen wieder herzustellen müsste die Hochbahn sehr viel offener werden…

Nach der Veröffentlichung der Machbarkeitsuntersuchung U5 Ost gab es ein Presseecho, das sich vor allem an einem Punkt rieb: Die Züge der geplanten Linie U5 könnten eine andere Breite bekommen als die übrigen Hamburger U-Bahnen und somit zum Bestandsnetz und der bestehenden Infrastruktur inkompatibel sein.

Im Hamburger Abendblatt vom 17.10.2016 gab es dazu einen Artikel, in der sich Politiker der Grünen, der CDU und der Linken über das für und wider größerer Wagenbreiten äußerten. So exponiert wurde dieses Thema in der Machbarkeitsuntersuchung doch gar nicht thematisiert?

Die Zeit griff dieses Thema einen Tag später in der „Elbvertiefung“ auf und führte ein Interview mit dem Pressesprecher der Hamburger Hochbahn, Christoph Kreienbaum:

Elbvertiefung: Es könnte sein, dass die Waggons der U5 breiter werden als die anderen Hamburger U-Bahn-Wagen. Dann könnten sie nur auf den Schienen der U5-Linie verkehren. Ist das nicht furchtbar unpraktisch?

Kreienbaum: Das ist ein Argument. Es ist aber auch noch nicht entschieden, ob tatsächlich die breiteren Fahrzeuge kommen oder der Hamburger Standard beibehalten wird. Für die Entscheidung werden zwei Aspekte berücksichtigt werden müssen. Der Vorteil wäre ganz klar die höhere Kapazität. Der Nachteil, dass das Fahren auf dem Bestandsnetz nicht möglich wäre. Vor- und Nachteile müssen jetzt abgewogen werden.

Was interessant ist, da die Hochbahn bereits am 10.05.2016 anlässlich eines Vortrags beim VDI Braunschweig klarstellte:

Beschluss: Das Hamburger Profil [gemeint ist die Wagenbreite wie sie auf allen U-Bahn-Linien in Hamburg eingesetzt wird] wird auch für die Linie U5 als Grundlage der weiteren Planungen festgelegt. 

Also entweder die Planungsabteilung der Hochbahn hat Kommunikationsprobleme mit Ihrem Pressesprecher, oder dieses Verwirrspiel hat einen ganz anderen Hintergrund.

Der eigentliche Skandal bleibt unbeachtet

Auffällig war nach der Veröffentlichung der Machbarkeitsuntersuchung, dass keinem Redakteur und keinem Politiker auffiel, dass auf einmal – entgegen der ursprünglichen Planungen und von Senat und Hochbahn vorgegebenen Richtlinien beim Bau der U5 – der Bau der Haltestellen im ersten Bauabschnitt in offener Bauweise, also mit maximalem Oberflächeneingriff erfolgen soll. Diese Meldung hätte für einen Aufschrei sorgen müssen, da hier aus bloßen Kosten- und Profilierungsgründen die Schutzgüter Mensch und Umwelt maximal belastet werden sollen.

Aber keiner hat es bemerkt. Denn alle waren damit beschäftigt über mögliche Kostensteigerungen durch eine zwar technisch mögliche, aber längst als unwirtschaftlich verworfene Änderung des Zugprofils zu diskutieren. Ein Schelm…

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