Warum es wichtig ist, beim U-Bahn-Bau Abstand zu Wohngebäuden zu halten

Es geschieht zum Glück selten, aber es ist leider nie auszuschließen. Dort, wo Grundwasser vorhanden ist und gebaut wird, sucht sich das Wasser seinen Weg in die Baugrube. Abdichtungsmaßnahmen sind im Normalfall nie zu 100% wirksam, das anfallende Sickerwasser wird deshalb laufend abgepumpt. Problematisch wird es, wenn durch nachfließendes Grundwasser Gebäude nach und nach unterspült werden, bis die Stabilität verlorengeht. Jeder, der schon einmal versucht hat am Strand einen „Burggraben“ auszuheben, kennt das Problem.

Natürlich werden alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen, damit keine Gefährdung durch eine offene Bauweise entsteht. Die Hochbahn schreibt:

Risiken können aber infolge unkorrekter Ausführungsarbeiten entstehen. Diesen muss bei der Ausführung – nicht nur bei den Baugruben, auch bei den übrigen Arbeiten – durch ein funktionierendes Qualitätsmanagementsystem begegnet werden.

Ein Restrisiko bleibt. Entweder durch menschliche Fehler wie beim Einsturz des Stadtarchivs in Köln, oder durch von außen nicht erkennbare Unwägbarkeiten im Untergrund wie kürzlich beim Einsturz einer Hauptstraße in Fukuoka/Japan. Beidesmal war der Bau einer U-Bahn in Verbindung mit Grundwasser, das laufend abgepumpt wurde, die Ursache.

In einem englischsprachigen Artikel auf The Asahi Shimbum wird folgendes zur Unglücksursache in Fukuoka geschrieben:

Nach Aussage des städtischen Transportation Bureau fanden Arbeiten an einer Tunnelbohrung für die U-Bahn etwa 25 Meter unterhalb der fünfspurigen Straße in Fukuokas Hakata Ward statt. Die Arbeiter machten gegen fünf Uhr morgens gerade eine Pause, als Grundwasser begann in den Tunnel zu fließen.

Etwa 10 Minuten später begannen die Arbeiter den Tunnel zu überprüfen und den Verkehr auf der Straße umzuleiten.

Die Straße begann gegen 5:15 Uhr an zwei Stellen zu kollabieren. Jedes Loch war 10m lang und 15m breit, aber nach und nach vergrößerten sie sich und verbanden sich schließlich.

Probebohrungen hatten ergeben, dass Grundwasser in Regionen tiefer als 3 bis 5 Meter unter der Oberfläche fließt.

Eine geringe Menge Wasser war während der Bohrarbeiten in den Tunnel geflossen. Aber die Menge lag innerhalb der Erwartungen und wurde abgepumpt.

„Wir haben gründliche Vorkehrungen getroffen. Aber der Einsturz, den wir am meisten gefürchtet hatten, passierte“, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter des Transportation Bureaus.

Zum Glück kam dort nach bisherigem Stand niemand zu Schaden. Alle benachbarten Gebäude blieben stehen und wurden evakuiert. Nicht auszudenken, wenn der Einsturz während der Hauptverkehrszeit oder unterhalb eines Gebäudes passiert wäre. Anders in Köln, wo das Qualitätsmanagement nicht funktionierte. Der Kölner Stadtanzeiger schreibt:

Beim Einsturz am 3. März 2009 starben zwei junge Männer. Es entstand ein Sachschaden, der auf 1,2 Milliarden Euro geschätzt wird. Wenngleich die Folgen der Katastrophe schnell klar waren, dauert die Suche nach den Schuldigen auch heute noch an. Fehlerhafte Bodenuntersuchungen, illegale Brunnen, leichtsinnig und zu viel abgepumptes Wasser, falsche Bauprotokolle und fehlende Kontrollen: Es gibt vieles, was beim Bau der U-Bahn-Grube Waidmarkt falsch gelaufen sein soll.

Wir wissen, dass sehr viel unternommen wird, um solche Unglücke zu verhindern. Dazu gehört aber auch – wenn irgend möglich – Baugruben und Trassenführungen unter bzw. nahe an Wohngebäuden zu vermeiden.

Update: In Fukuoka wurde das Erdloch in Rekordzeit von nur 7 Tagen geschlossen und die Oberfläche wiederhergestellt. Die evakuierten Gebäude dürfen wieder genutzt werden und es gibt keine Meldungen über Verletzte oder Schlimmeres – alles ist gut gegangen! Bevor jetzt jemand übereilte Vergleiche mit Hamburg zieht, gebe ich zu Bedenken, dass moderne Gebäude in Japan in der Regel erdbebensicher gebaut werden…

3 Gedanken zu „Warum es wichtig ist, beim U-Bahn-Bau Abstand zu Wohngebäuden zu halten

  1. Ich bin sicher voreingenommen, aber ich finde diesen Artikel sehr gut! Hinzufügen möchte ich, dass so ein Katastrophenszenario eng mit dem Qualitätsmanagement verbunden ist. Das Risiko steigt mit der Vergabe von Aufträgen an Sub- und Sub-Sub-Unternehmer, Qualitätsmanagement wird dadurch immer schwieriger. Ich gehe davon aus, dass auch bei diesem Projekt die Auftragsvergabepraxis allein aus Kostengründen so erfolgen wird – am Ende ist damit niemand für etwas verantwortlich. Das alles macht mir ehrlich gesagt nur eines: Angst!

  2. Ich habe einfach auch Angst davor wenn die Trasse im Bereich Illiesweg / Bossardstr verläuft das hier noch mehr absackt wie bisher. Die Häuser sind schon an der Fassade verschraubt und ich denke wenn hier was im Erdreich gemacht wird dann ist das nicht gut für die Haussubstanz.
    Und was mir noch missfällt wird dann der ansteigende Mietpreis sein weil die Anbindung an den Nahverkehr die ganze Gegend bereichern wird.

    • Liebe Frau Brohse!

      Ich denke, zumindest Ihre Sorgen wegen der Trassenführung kann ich Ihnen nehmen. Die Hochbahn plant aktuell eine Streckenführung unter den Schrebergärten hinter den Wohnhäusern in der Bossardstraße Richtung Rungespielplatz. Wo es geht, wird die Hochbahn das Unterfahren von privaten Grundstücken und Häusern vermieden. Und der geplante Tunnelbau mit einer Tunnelbohrmaschine (wie beim Elbtunnel) gilt als „setzungsarmes Bauverfahren“.

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